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Ein letzter Gruß

transRügen - Kap Arkona trans

„Es zieht schlecht Wetter auf.“ Besorgt schaut Johann Mattes vor seiner Fischerkate in Vitt, nahe dem Kap Arkona, auf die Ostsee. Ein schwerer Herbststurm aus Nordost fegte über das Meer, wühlte die See auf und trieb schwarze, dichte Wolken zur Insel Rügen. Tosende Wellen schlugen brüllend ans Ufer. Strömender Regen setzte ein.

„Gott sei Dank musste ich heute an meinem Boot arbeiten und bin nicht rausgefahren. Aber hoffentlich kommen diejenigen, die noch draußen sind, gut rein“, sagte er sich.
„Wenn der Sturm über Nacht anhält, kann ihnen dann auch keiner helfen“, dachte er.

Der Sturm hielt an. Früh wurde es dunkel.

transRügen - Kap Arkona im Sturmtrans

Der Fischer Mattes legte sich mit seiner Frau zur Ruhe. Das Unwetter rüttelte am Haus, der Regen klatschte gegen die Fenster und der Wind zog durch alle Ritzen. Der Sturm nahm an Stärke noch weiter zu und erreichte ab zwölf Uhr seinen Höhepunkt.

Drei Stunden später schrak die Frau aus ihrem unruhigen Schlaf. „Da rüttelt doch jemand an der Haustür!“ rief sie. Ihr Mann beruhigte: „Das ist man nur der Sturm, sollte einer zu uns wollen, würde er ans Fenster klopfen. Schlaf man gut!“

Doch mit der Ruhe war es nun endgültig vorbei. Der Sturm wütete, der Regen prasselte, aber nun war es wieder deutlich zu hören. „Dort draußen ist doch einer! Es hat schon wieder an der Tür geklopft und ich habe trotz des Sturmgeheuls genau gehört, wie jemand mit schweren Schuhen am Haus entlanglief und habe ihn auch kurz am Fenster gesehen!“

transRügen - Fischer schaut mit Lampe in die Sturmnachttrans

„Da“, jetzt hörte Fischer Mattes es auch ganz deutlich, „da rüttelt jemand an der Tür!“ Er lief zur Tür und öffnete sie. Das rauschende Tosen der See zog laut hörbar zum Haus hinauf. Nass schlug ihm das Wetter ins Gesicht.
Mattes warf sich seinen Mantel über und schaute mit einer Laterne draußen nach. Aber dort war niemand!
„Eigenartig“, dachte er und legte sich wieder ins Bett. „Da draußen ist keiner“, sagte er zu seiner Frau.

An Schlaf war nicht mehr zu denken.
„Da schon wieder! Es klopft!“
Man konnte es nicht überhören und es gab wahrlich keinen Zweifel mehr.
Schnell sprang der Fischer Mattes auf und alles war wie beim vorigen Mal.
Obwohl der Fischer ums Haus ging, es war kein Mensch zu sehen. Nass vom Regen ging er wieder ins Haus. „Es war wieder niemand zu sehen!“, sprach er.

Endlich ließ der Sturm etwas nach. Nun schliefen sie doch noch ein. Als sie am Morgen erwachten, hatte sich das Unwetter verzogen.

transRügen - gestrandetes Fischerboottrans

Am Strand von Vitt wurde ein gestrandetes Fischerboot mit gebrochenem Mast gefunden. Davor lag ein toter, zerschundener Fischer im Wasser.
Die Frau des Fischers Mattes schrie auf, als sie den Toten sah: „Mein Bruder!“
Am späten Nachmittag auf der See in Not geraten, war das Boot in der Nacht am Ufer gestrandet.
Als guter Schwimmer hatte er wohl lange mit der Brandung gekämpft.
Seine Gedanken waren am Ende bei den Verwandten und grüßten sie ein letztes Mal.