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Die Unterirdischen der Insel

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Auf der Insel Rügen sieht man vielerorts Hünen- und Hügelgräber. In diesen Zeugnissen der Geschichte und in der Steilküste haben vor langer Zeit Unterirdische von zwergenhafter Gestalt ihr Quartier genommen.

Auf Rügen gab es vier Sorten dieser Wichte.
Die schwarzen, die braunen, die grünen und die weißen.
Alle konnten sie sich verwandeln und zaubern und spielten, abgesehen von den weißen, den Menschen mitunter allerlei Schabernack.
Die Bewohner der Insel Rügen hatten Angst vor ihnen.

Am schlimmsten waren aber die schwarzen Unterirdischen.
Sie sahen grausig aus, hatten große Köpfe und lange Bärte und waren sehr boshaft und trieben ihr Unwesen, wo es nur ging. Im Handwerk sehr geschickt, am besten konnten sie mit dem Schmiedehandwerk umgehen, kannten die schwarzen Kobolde keinen Gesang und konnten auch nicht so lustig tanzen, wie die anderen Unterirdischen.
Nachts, wenn sie sich versammelten, hörte man nur ein abscheuliches kreischen und jaulen.

Gutes war von ihnen nicht zu erwarten.
Sie vertauschten Säuglinge, legten auch ihre eigenen Kinder in die Wiegen.
So manch arme Mutter erschrak, wenn ihr Kind nicht wuchs. Die armen Wesen wurden dann oft Wechselbälger genannt.

Kinder, besonders Mädchen, wurden von ihnen gern geraubt, schlecht behandelt und hatten manchmal nur Glück, indem sie der Menge kleiner schwarzer Zwerge entkamen, weil sie schnell noch Löwenmaul greifen konnten.
Wenn ein Mensch Löwenmaul bei sich hatte, konnten die Schwarzen ihm nichts anhaben.

transRügen - schwarzer Unterirdischertrans

Wilddiebe waren sie, denn sie hatten eine Vorliebe für saftige Braten, die auch oft vom Herd der Leute gestohlen wurden.
Mit dem Gewehr schießen konnten sie nicht, sie nahmen Netze, die ein Mensch nicht sehen konnte.
So manchem Jäger verhexten sie das Gewehr, so dass kein Schuss mehr traf. So erging es auch Karl Dröse. Er verlor seinen Dienst als Weidmann, weil er ständig das Ziel verfehlte.
Eine alte Frau gab ihm den Rat, nachts zu einem Hügel, in dem die Unterirdischen wohnten, zu schleichen und Schrot über sie zu streuen. Wenn die Unterirdischen durch ihre Mützen auch nicht sichtbar waren, sollte ein Schrotkorn etwas treffen, dass einem von ihnen gehört, wird das getroffene am nächsten Morgen sichtbar und der Kobold ist in der Hand des Menschen - wenn der Mensch das Getroffene schnell an sich nimmt.
Der Unterirdische tut dann alles, um das getroffene wieder zurückzubekommen.
Karl Dröse befolgte diesen Rat und traf einen silbernen Schuh.
Der schwarze Zwerg erschien am nächsten Morgen und nach zähen Verhandlungen vereinbarten sie regelmäßige Freischüsse für den Jäger, die auch dann das gewünschte Wild erlegten, wenn überhaupt kein Wild in der Nähe war.
Karl Dröse wurde der beste Schütze auf Rügen und erster Jäger der Insel.

Besonders viele Vorfälle ereigneten sich am Garzer Burgwall, die Schwarzen Unterirdischen waren aber überall auf Rügen anzutreffen.

Auf der Halbinsel Mönchgut, auf der Halbinsel Jasmund und der Halbinsel Wittow lebten neben den Schwarzen auch noch ihre Verwandten. Sie waren eher grau, nicht ganz so boshaft und taten mitunter sogar gutes.

Die braunen Unterirdischen hatten nicht so viel Arglist und Heimtücke im Sinn wie die schwarzen, waren freundlich, die Menschen mussten sich vor ihnen trotzdem in Acht nehmen.

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Vor allem wohnten sie in den neun Bergen von Rambin. Die neun Berge waren Hügelgräber, von denen heute jedoch nur noch zwei existieren.
Ihre Behausungen waren fantastische, hell erleuchtete, gläserne Höhlen, in denen viel klares Kristall, Silber und Gold waren.
Durch ihre Freundlichkeit gelang es ihnen oft, ein Kind in die Tiefe zu entführen, in der es den braunen Unterirdischen lange dienen musste. Es wurde von ihnen gut behandelt, das Kind hatte jedoch nur eine Aussicht auf Freiheit und ein Wiedersehen mit ihren Familien, wenn es ihm mit List gelang, ein Pfand, etwa die Glockenmütze, zu bekommen. Dann musste es herausgelassen werden und der braune Kobold musste dem Menschenkind dienen.

Bei den braunen Unterirdischen gab es ein altes Gesetz: Nach fünfzig Jahren wurden die Gefangenen wieder freigelassen und die, in der Tiefe verbrachten, Jahre ließen die Kinder nicht nennenswert altern. So kam niemand mit einem Alter über zwanzig Jahren in die Freiheit.
Wieder auf der Erdoberfläche hatten sie dann viel Glück und die braunen Kobolde halfen ihnen unsichtbar. Ihre Eltern waren dann natürlich schon Greise.
Bösen und faulen Menschen machten die braunen Unterirdischen das Leben schwer.

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In der Granitz der Insel Rügen und um Zirkow lebten die grünen Unterirdischen. Ein lustiges, frohes Volk von Kobolden und vergnügten Musikanten. Fühlten sie sich aber bei ihren Festen und Feiern gestört, waren die Menschen aber auch ihren Streichen ausgesetzt.

Weit verbreitet waren auch die weißen Unterirdischen auf Rügen. Von ihnen war nichts zu befürchten. Sie taten den Menschen nur Gutes, brachten den Kindern in der Nacht schöne Träume, gute Gedanken den Erwachsenen, trösteten Traurige und brachten Glück und Freude.