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Die singende Glocke

transRügen - Glocke in Gußformtrans

In der Mitte der Insel Rügen, in der Stadt Bergen, gaben einst die Bürger der Stadt dem ansässigen Glockengießer den Auftrag, für ihre Kirche eine neue Glocke zu gießen.

Der Meister war ein Mann ohne Fehl und Tadel, seit einiger Zeit war ihm jedoch das Glück nicht mehr hold. Wie sorgfältig er auch arbeitete, es wollte ihm einfach kein Guss gelingen. Die Glocken hatten immer kleine Fehler. Mal war es ein feiner Riss, mal gab es Lufteinschlüsse in der Glocke, mal war der Klang nicht wie gewünscht, mal nahm die Glocke beim läuten Schaden. Seine Verzweiflung war groß und er verließ oft für längere die Werkstatt um rastlos umherzuwandern.

Sein Lehrling Klaus Ewert versuchte, während der Meister einmal abwesend war, es auch einmal mit einem Glockenguss. Oft hatte er dem Meister dabei zugeschaut und sich die erforderlichen Handgriffe eingeprägt.

Überrascht brach der Meister nach seiner Rückkehr die Glocke aus der Form. Die Glocke war sehr gut gelungen, ohne Fehler und hatte einen vorzüglichen Klang. Im Meister stieg erneut seine Unzufriedenheit über die letzten Fehlschläge hoch. Missgunst, Neid und Wut erfasste ihn. Er schrie zornig und erstach seinen Lehrling.

Den toten Jungen vergrub er tief neben der Werkstatt und wälzte noch einen schweren Stein über die Stelle.

Der treulose, undankbare Junge wäre weggelaufen, würde er sagen, sollte man ihn nach dem Verbleib des Jungen fragen.

Die Vertreter der Stadt Bergen kamen zur Abnahme und waren sehr erfreut über die schöne Glocke. Zur Probe wurde sie geläutet.

Doch, was war nun deutlich zu hören? Im Glockenklang war ein schauriger Gesang zu vernehmen:

transRügen - "Singende Glocke" der Kirche in Bergentrans

Ein Graus! Ermordet ist mein Schöpfer Klaus!
Lehrjung Klaus liegt verscharrt am Haus!
Am Haus des Meisters, oh welch ein Graus!

Nun fiel den Leuten das Fehlen des Lehrlings Klaus Ewert auf.
Der Meister wurde bleich.
Als man ihn nach dem Jungen fragte, stammelte er nur.

Grabend suchte man den Jungen und fand ihn.

Leugnen war nun sinnlos geworden.
Nach dem Geständnis des Meisters wurde er dem Henker überstellt.