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Der Puk des Hein Kagel

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Auf der Insel Rügen gab es in früheren Jahren in vielen Häusern einen Puk. Wer solch einen kleinen, aufgeweckten Geist im Hause hatte, brauchte sich nicht mehr mühen und quälen. Der kleine Wicht mit seiner, überwiegend, roten Jacke und der riesigen Mütze sorgte fortan für das Wohl seiner Gastgeber.

Auf der Halbinsel Mönchgut, der Insel Rügen, lebte in Middelhagen einmal der Bauer Hein Kagel. Er war arm und der Hunger war ein ständiger Gast in seinem Haus, so er sich auch plagte.

Nach einiger Zeit änderte es sich plötzlich. Es ging im zusehends besser, sein Geldsäckel war nicht mehr leer und wurde immer praller, in seinem Haus gab es reichlich zu essen und zu trinken, auch die Kleidung, die man trug, war deutlich besser als früher.

Das sprach sich in der Nachbarschaft natürlich herum. „Wie hat Hein Kagel das bloß angestellt, um zu diesem Wohlstand zu kommen?“, fragten sie sich. „Er muss einen Puk haben, der ihm den Reichtum, das Geld und die Güter aus der Nachbarschaft, ins Haus bringt.“

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Richtig glücklich wurde Hein Kagel jedoch nicht. Als er noch arm war, kam jeder gut mit ihm aus. Jetzt, nachdem er reich wurde, erfasste ihn der Hochmut. Kein Mensch suchte mehr seinen Kontakt.

Eines Morgens kam ein alter Schäfer, der auf dem Weg nach Groß Zicker war, nach Mönchgut ins Dorf Middelhagen und bat an Kagels Tür um eine lütte Gabe. Der war jedoch wie so oft in letzter Zeit übel gelaunt und jagte ihn vom Hof. Nun ging der Schäfer zum Nachbarhaus. Dort lud man ihn gleich zum Essen ein und gab noch eine ordentliche Wegzehrung mit.

Beim Abschied sprachen sie noch über den unfreundlichen Bauern Kagel. Der Nachbar klagte dem Schäfer sein Leid, das es dem Hein Kagel immer besser ginge, während es um ihren Hof in letzter Zeit immer schlechter bestellt sei. Er vermutete als Schuldigen einen Puk, der im Nachbarhaus des Hein Kagel leben müsse.

„Ich will dir helfen und werde schon eine Lösung finden“, sagte der Schäfer. Der geplagte Nachbar versprach dafür als Dank einen großzügigen Lohn.

Der Schäfer hatte eine besondere Gabe. Da er um zwölf Uhr in einer Johannisnacht, der kürzesten Nacht des Jahres, geboren wurde, sah er mehr als andere.

Hinter der Scheune des Bauern Kagel stellte er sich gegen Mitternacht auf die Lauer.
Tatsächlich, da kam der Puk, ging an ihm vorbei und verließ den Hof. Schnell nahm der Schäfer ein Stück Holzkohle und malte damit vor jedem der vier Hauseingänge drei Kreuze auf den Boden und versteckte sich wieder.
Etwas später kam der Puk, schwer mit einem großen Sack Weizen beladen, zurück.
Vor der ersten Tür blieb er verwirrt stehen, als er die Kreuze sah. Er ging zur nächsten Tür, dann zur dritten und auch bei der letzten Tür waren Kreuze, die er nicht überschreiten konnte.
Was nun? Die Last war schwer, erst recht für einen kleinen Kerl. Ins Haus des Hein Kagel kam er nicht mehr. Er ging darauf mit dem Sack zum Nachbarhof zurück und und suchte sich ein neues Heim mit neuen Gastgebern.

Bei Hein Kagel lief es von nun an wieder so schlecht wie früher.

Er fing an zu trinken, vom Vieh ging eins nach dem anderen ein und das Geld ging aus.

Und wieder tuschelten die Nachbarn: „Wenn es mit ihm so weitergeht, lebt er nicht mehr lange.“