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Der Königstuhl auf der Insel Rügen

transRügen / Halbinsel Jasmund - Königstuhltrans

Weithin bekannt ist der Königstuhl auf der Halbinsel Jasmund, als Teil der mit einem dichten Buchenwald bewachsenen weißen Kreidefelsen, die sich steil vom Ufer erheben. Der Witterung ausgesetzt, färben sie das ans Ufer brechende Meer nach Abbrüchen in vielen wechselnden Tönen. Von See aus betrachtet, bietet sich ein beeindruckendes Bild. Der Sage nach, wurde am Königsstuhl früher den Königen der Insel Rügen gehuldigt. Sie haben dabei auf dem von der Natur erbauten Stuhl gesessen.

transRügen / Halbinsel Jasmund - Königskrönung auf dem Königstuhltrans

Zum König wählten damals die Bewohner der Insel Rügen immer ihren tapfersten Helden. Vorher musste er jedoch seinen Mut beweisen und den 118 Meter hohen Kreidefelsen „Königstuhl“ von der Seeseite erklimmen und besteigen. Eine gefährliche und anstrengende Mutprobe.

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Schaut man vom Königstuhl herab, sieht man zahlreiche Findlinge im Uferbereich. In nördlicher Richtung, etwa zwanzig Meter vom Ufer, befindet sich der Waschstein.
Am Johannistag kann man alle sieben Jahre am frühen Morgen, wenn am Horizont die Sonne aufzugehen beginnt, auf diesem Stein eine, mit einem Fluch belegte, junge Frau sehen, die im Meer ein Tuch voller Blut wäscht. Alle ihre Bemühungen sind jedoch vergeblich, das Blut ist nicht herauszubekommen.

Wer sich früh am Strand aufhält und die schöne Frau an diesem Tag bei ihrer Arbeit antrifft, sollte zu ihr folgende Worte sagen: „Guten Morgen, Gott möge helfen!“
Sie ist dann erlöst und bedankt sich mit Schätzen aus Gold und Edelsteinen, die in einer Höhle zwischen den Felsen der Großen Stubbenkammer liegen.

transRügen / Halbinsel Jasmund - Waschstein am Königstuhltrans

Eines Morgens, an einem Johannistag, kam ein junger Fischer am Strand entlang. Er hatte kurz zuvor von dieser Geschichte gehört und wollte, da wieder sieben Jahre vorbei sein mussten, doch mal sehen, ob sie wahr ist.

Erstaunt sah er tatsächlich das Mädchen auf dem Stein, ein Tuch in der Hand, das beim waschen trotz aller Sorgfalt nicht rein wurde. Er rief, wie es auf Rügen üblich war, wenn man jemanden begegnete der gerade arbeitet: „ Guten morgen, möge Gott helfen!“

Traurig sah die junge Frau ihn an und sagte enttäuscht: „Wir wären beide glücklich geworden, hättest du, Gott möge helfen!“ gesagt. „Jetzt muss ich weiter hoffen und auf meine Erlösung warten.“ Darauf verschwand sie hinter dem Stein in den Fluten. Der junge Fischer war fassungslos. Ihm war so trostlos zumute, obwohl die Sonne gerade im schönsten Licht aufging und die weiße Kreideküste erstrahlen ließ. Er blieb noch lange stehen. Sein Wunsch, das hübsche Mädchen werde wieder erscheinen, erfüllte sich ihm nicht.

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In der Kreideküste um den Königstuhl gibt es einige Höhlen, die bis heute noch unentdeckte Schätze bergen sollen. Einige wurden von Piraten dort versteckt.

Direkt unterhalb des Königstuhls führt ein enger, steil steigender Weg tief in den Felsen zu einer großen Höhle. Seit einigen hundert Jahren sitzt dort eine schwarz gekleidete Frau die vor langer Zeit einen reich verzierten Goldbecher bei sich hatte. Oben auf dem Felsen hielt eine weiße Taube Wache.

transRügen / Halbinsel Jasmund - dänisches Schiff / Schatzhöhle am Königstuhltrans

Das sprach sich herum. Eines Tages landete ein Schiff aus Dänemark am Königstuhl an. An Bord war neben der Besatzung, ein, vom dänischen König wegen Hochverrats ursprünglich zum Tode verurteilter, aber wieder begnadigter, Sträfling. Er sollte die Begnadigung aber nur erhalten, wenn er den Becher heranschafft.

Die Dänen ließen sich von Fischern den Eingang der Höhle zeigen, lösten dem Häftling die Fesseln und schickten ihn hinein.
Lodernde Flammen und eine große Hitze schlugen ihm entgegen. Es war unheimlich.
Er wollte umkehren, aber die Angst vor dem Todesurteil trieb ihn voran. Weiter, immer tiefer drang er in die Höhle.

transRügen / Jasmund - schwarze Frau in der Schatzhöhle am Königstuhltrans

Dann sah er sie, die schwarze Frau, unbeweglich, mitten im Feuer. Der goldene Becher stand neben ihr.
„Ich muss den Becher haben “, dachte er sich, „um jeden Preis.“
Er ging weiter, überwand seine Furcht vor den entgegenzüngelnden Flammen und schaffte es, zur schwarzen Frau vorzudringen.

Da nahm sie ihren dunklen Schleier vom Gesicht. Der Fremde konnte in ihr schönes, blasses Gesicht sehen. Aus ihren blauen Augen sah sie ihn beschwörend an und sagte mit bittender Stimme: „Fremder Mann, triffst du die richtige Wahl, so werde ich auf immer dein sein! Treffe die richtige Wahl!“

Der Mann dachte an sein Leben und sah nur den Becher, er hatte keine Ohren für die Worte der Frau. Er griff nach dem goldenen Becher und stürzte zurück zum Ausgang.

In der Höhle erklang ein tiefes, lautes Seufzen und Jammern. Schaudernd hörte man ihre verzweifelte, klagende Stimme: „Der Becher! Nie wieder kann man mich nun erlösen!“
Hätte der Fremde auf ihre Worte geachtet, nicht nur Ihren Becher, sondern sie gewählt, wäre sie erlöst gewesen. Weitere, in der Höhle verborgene Schätze hätte er von ihr geschenkt bekommen.

Nachdem der gezwungene Dieb den Flammen entkam und die Höhle verlassen hatte, flog die weiße Taube davon.
Seither übernimmt ein schwarzer Rabe die Wache auf dem Kreidefelsen.

Der Häftling indes übergab seinen Landsleuten den Becher.

Das schaurige Klagen, Stöhnen und Weinen der Frau konnte man aus der Höhle noch lange vernehmen. Nun wagten sie es doch nicht, mit dem Schatz nach Dänemark zu segeln. Der Becher würde ihnen bei der Überfahrt sicher Unheil bringen.

Man brachte den Goldbecher in die Bobbiner Kirche, in der er lange Zeit aufbewahrt wurde.

Was darauf mit dem Häftling geschah, ist nicht überliefert.