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Der Dobberworth

transRügen - Hünengrab bei Lancken Granitztrans

Hünengraber und Hügelgräber, weithin sind sie auf der Insel Rügen sichtbar. In der Vergangenheit waren sie Grundlage zahlreicher Sagen.

Nur Riesen konnten im Stande gewesen sein die Hünengräber, Großsteingräber der Steinzeit, mit den riesigen schweren Felsblöcken zu versehen und abzudecken. Viele haben über viertausend Jahre überdauert. Einige wurden beseitigt und gesprengt, da sie bei der Bewirtschaftung der Felder störten.

Auch die, einige Hundert Jahre nach den Hünengräbern in der Bronzezeit auf Rügen entstandenen, Hügelgräber bargen in der Vorstellung der Menschen Geheimnisvolles. Sie wurden häufig in der Nähe der Küste oder in der Inselmitte an erhöhten Stellen errichtet.

Das größte Hügelgrab Rügens ist der Dubberworth, ins Hochdeutsche als der „gute Berg“ übersetzt. Er ist nicht zu übersehen, wenn man mit dem Auto auf der B 96 aus Richtung Lietzow kommend nach Sassnitz möchte. Man fährt direkt an ihm vorbei, er befindet sich bei Sargard auf der rechten Seite der Straße, am Abzweig zur Halbinsel Wittow .

transRügen - "Dobberworth"trans

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Im Dubberworth sollen, so ist es überliefert, Unterirdische gewohnt haben.

Einer von ihnen kaufte einmal im nahegelegenem Dorf Saiser von einem Bauern eine ganze Fuhre Korn und bat ihn, das Getreide um 6 Uhr an den Dubberworth zu bringen.
Der Bauer wunderte sich. „Dort ist doch kein Haus, es wohnt dort niemand!“ sprach er. „Bring es mal wie vereinbart“, war die Antwort.

transRügen - Bauer bringt Fuhre Korn zum Dobberworthtrans

Der Bauer brachte die Fuhre Korn zur vereinbarten Zeit zum Dubberworth und wunderte sich schon wieder.
Der Hügel stand weit offen! Vor dem Berg erwartete ihn schon der kleine Zwerg und begleitete den Bauern mit seinem Gespann tief in den Hügel hinein.
Ein Gewimmel von Unterirdischen war zur Stelle.
Sie luden schnell das Korn ab und beluden den Wagen darauf mit Gold und anderen Schätzen, so viel, dass die Pferde die Last kaum noch ziehen konnten. "Nun fahr hinaus und dreh dich nicht um!", rief einer der Unterirdischen.
Der Bauer hatte es nun eilig wieder ans Tageslicht zu kommen.
Der Weg aus dem Berg erschien ihm unendlich lang.
Endlich konnte er aufatmen.
Über seinem Kopf war wieder freier Himmel. „Hoffentlich ging von der kostbaren Ladung nichts verloren“, dachte er sich und sah nach hinten.
„Oh nein!“, rief er bestürzt. Der Berg schloss sich und verschlang den Wagen, der zu dem Zeitpunkt noch nicht vollständig im Freien war.
Der Dubberworth sah danach aus wie immer. Nichts deutete mehr auf das Geschehene hin.
Erschrocken ging der Bauer heim. Er und seine Pferde waren gerettet, jedoch mochte er nicht daran denken, was wahrscheinlich passiert wäre, hätte er sich früher umgeschaut.

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Die Insel Rügen wurde im Dreißigjährigen Krieg so verwüstet, dass die Bevölkerung durch Mord, Raub und Brandschatzung in großes Elend gestürzt wurde und verarmte.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung verlor ihr Leben. Vieh war auf Rügen nahezu nicht mehr vorhanden.
Der König von Schweden verkündete darauf, er würde jeder noch auf Rügen lebenden Kuh die Hörner vergolden lassen, wenn der Besitzer sie öffentlich zeigen würde.
(Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, mit dem Westfälischen Friede 1648, blieb Rügen mit Vorpommern schwedisch und gehörte von nun an zur Provinz Schwedisch-Pommern)

transRügen - Sage um vergoldete Kuhhörnertrans

Ein Jasmunder Bauer hatte seine letzten beiden Kühe in einer Höhle am Dubberworth versteckt. Eine lebte noch. Er holte sie heraus und der schwedische König hielt Wort und vergoldete die Hörner.

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Siebzig Jahre später waren zwei Bauern am Dubberworth bei der Feldarbeit. Als sie gegen Mittag beim Pflügen am Hügelgrab wendeten, stieg ihnen ein feiner Bratenduft in die Nase.

„Nachbar, ich glaube die kleinen Leute machen sich ein Mittagsmahl“, sagte der eine.

Der andere nickte und sprach: „So wie das riecht, ist es Schweinsbraten“.

Mit knurrendem Magen gingen sie ihrer weiteren Arbeit nach.
Etwas später wendeten Sie wieder am Berg und trauten ihren Augen kaum.
Dort standen zwei Teller, auf denen Schweinsbraten mit Kartoffeln und Soße dampfte.
Sie machten es sich am Dubberworth bequem. Das Essen mundete ihnen vorzüglich.

transRügen - Schwiensbraten am Dobberworthtrans

Voller Dankbarkeit dachte einer der beiden Bauern an jene, denen sie das Mahl zu verdanken hatten und legte ein wenig Geld auf den Teller.

Der andere war weniger dankbar und sprach „Ich hab nicht gesagt, dass ich was zu essen haben will. Sie hätten ja nichts geben brauchen. Wenn sie so dumm sind, ich kann nichts dafür.“ Boshaft beschmutzte er zudem den Teller mit Sand.

Das hatte Folgen. Dem einen, dankbaren Bauern, ging es später gut, er kam zu Wohlstand und hatte ein glückliches Leben, der andere, undankbare Bauer, starb nach langer Krankheit im Elend.

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Einem Gutsherren störte der Dubberrworth bei der Landarbeit seiner Leute. Da wäre mehr herauszuholen, meinte er und beschloss die mächtige Erhebung abtragen zu lassen. Mit zwölf vierspännigen Wagen und trotz aller Bemühungen vieler Hände wurde der Berg nicht kleiner. Der Gutsherr geriet in Wut und trieb die Leute immer mehr an.

transRügen - versuchte Abtragung des Dobberworthtrans

Plötzlich, alle schraken auf, war aus dem Hügel eine sehr laute, dröhnende Stimme zu vernehmen, die drohte: „Ich warne euch, stört Ihr mich weiter in der Ruhe, ziehe ich Euch für immer in meine Tiefe!“ Abschließend war ein Donnergrollen zu hören, dann war alles wieder ruhig.
Der Gutsherr hatte genug, gab seinen Plan auf und eilte davon. Seine Leute folgten ihm angstvoll. Dem Dubberworth kam niemand mehr zu nahe.