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Stein-, Bronze- und Eisenzeit (Germanen)

Auf der Insel RügenIn erfolgte die erste Besiedlung in der Mittel- und Jungsteinzeit ( 9000 – ca. 2000 v. Chr.)

Rügen muß in dieser Zeit vermutlich, relativ "dicht" besiedelt gewesen sein. Allein in den ziemlich zentral auf der Insel Rügen gelegenen Fundgebieten um Lietzow, am kleinen und grossen Jasmunder Bodden, wurden ca. 20.000 bearbeitete Steingeräte gefunden. Die damaligen Menschen unserer Region entwickelten sich in dieser Phase über Jahrtausenden von nomadisierenden Jägern und Sammlern zu sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern. Durch die nunmehrige Nahrungsproduktion und die daraus mögliche Vorratshaltung kam es zu einer größeren Unabhängigkeit von der natürlichen Umwelt und es wurde ein Bevölkerungswachstum möglich. Mit dem Beginn der Sesshaftigkeit entwickelte sich auch der Hausbau weiter. Die Menschen lebten nun in Langhäusern und in relativ großen Siedlungen. Die Langhäuser bestanden aus einem Gerüst von 3 parallelen Pfostenreihen, deren äußeren Pfostenreihen mit lehmverputzten Rutengeflechten zu Wänden verarbeitet waren. Das Dach war mit Stroh, Schilf oder Rinde gedeckt. Um die Dörfer baute man große Palisaden zum Schutz vor Raubtieren und Feinden. Auch die Werkzeuge, wie Hacken, Beile und Messer, hat man weiter entwickelt. Sie werden nun nicht mehr "einfach nur" zugeschlagen, sondern geschliffen und zur besseren Schäftung durchbohrt.

transModell eines Steinbohrers (Kultur-Historisches-Museum-Stralsund)trans

Man begann mit der Herrstellung von Textilien aus tierischer Wolle und pflanzlichen Faserstoffen, Tongefäßen für den täglichen Gebrauch, ob Töpfe, Becher oder Schalen und Vorratsbehälter. Waren sie am Anfang "nur" in der Sonne getrocknet, begann man später sie im Feuer zu brennen. Ausdruck der schon angesprochenen relativ dichten Besiedlung der Insel Rügen, sind auch die vielen noch vorhandenen steinzeitlichen Grabstätten, die sogenannten Hünengräbern (Großsteingräber oder Megalithgräber). Diese Grabstätten, ein Raum der von zumeist tonnenschweren Findlingen oder bearbeiteten Felssteinen umgegeben und abgedeckt ist, wurde durch Muskelkraft mittels schiefen Ebenen und Hebeln errichtet.

transRügen - eines der zahlreichen Hünengräber bei Lanken Granitztrans

Sie sind nach den dama- ligen Möglich- keiten gesehen, eine tech- nische Meister- leistung der damals hier siedeln- den Menschen. Wurden Anfang des 19. Jahrhunderts noch 232 Hünengräber gezählt, waren es hundert Jahre später nur noch 54. Leider erkannte man damals nicht ihren kulturgeschichtlichen Wert. Sie fielen u.a. dem Straßen- bzw. Häuserbau zum Opfer.

Während der Bronzezeit ca. 2000 - ca. 800 v. Chr. siedelten in unserer Region Menschen mit einem eigenen kulturellem Charakter. Diese sogenannte Hügelgräberkultur des nordischen Kreises wird der frühgermanischen Kultur zugeordnet, die neben unserer Region (Insel Rügen, Vorpommern) u.a. das südliche Skandinavien, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Teile Niedersachsens und Sachsen-Anhalts sowie die Niederlande, Nordpolen und die baltischen Staaten umfasste. Funde aus jener Zeit gibt es nicht so zahlreich wie aus der Steinzeit. Was nicht heißt, dass die Insel Rügen jetzt weniger "dicht" bevölkert war.

transRügen - bronzezeitliches Hügelgrab, der Dobberworth in Sagardtrans

Zahl- reiche noch vor- handene Hügel- gräber, kleine Hügel mit ein paar Bäumen be- wachsen und noch heute aus unzäh- ligen Äckern ragend, sind ein untrügliches Zeichen jener Zeit. Die darauffolgede archäologich greifbare Kultur, die sogenannten Jastorfkultur (benannt nach einem Urnenfeldergrab in Jastorf, Kreis Uelzen in Niedersachsen) ab ca. 700 v. Chr. bis zur Zeitenwende aus der vorrömischen Eisenzeit, kann man schon als einen Teil einer germanischen Kultur ansehen. Sie erstreckte sich von der Weser im Westen, dem heutigen südlichen Dänemark im Norden, dem Rhein und Harz im Süden bis zum heutigen Berliner Raum im Südosten und dem heutigen Mecklenburg-Vorpommern mit der Insel Rügen im Nordosten. Gegen Ende des 500 v. Chr. erreichte diese Kultur, ebenfalls archäologisch belegt, das heutige Thüringen, den Niederrhein und Niederschlesien. Aus ihr sind einige spätere germanische Stämme, möglicherweise auch die Rugier, hervorgegangen. Germanen, in ihrer kulturellen Gesamtheit, siedelten im heutigen Mitteleuropa und Südskandinavien. Die Germanen, die eine aus unterschiedlichen Dialekten bestehende gemeinsame Sprache, ebenso eine Kultur mit ähnlichen, relegiösen, sozialen und ökonomischen Verhältnissen besaßen, bildeten trotzdem keine geschlossene Einheit als Ganzes. Sie waren eine große Anzahl einzelner, selbstständiger Stämme. Wenn einmal mehrere Stämme politisch und militärisch geschlossen auftraten, dann geschah dies aus einem gleichem Interesse heraus und war nicht von Dauer. Wie z.B. während des gemeinsamen Wander- und Kriegszuges der ostgermanischen Bastarnen und Skiren am Ende des 3. Jahrh. v. Chr., der westgermanischen Kimbern, Teutonen und Ambronen am Ende des 2. Jahrh. v. Chr. oder bei der Abwehr der römischen Invasionsversuche (u.a. Varusschlacht) zu Beginn der christlichen Zeitrechnung die Bündnisse der Rhein / Weser- und Elb-Germanen, u.a. der Cherusker, Brukterer, Sugambrer, Tekterer, Angrivarier, Chatten und des suebischen Stammesbundes der Langobarden, Semnonen und Hermunduren oder etwa das Bündnis der ostgermanischen Rugier und Goten zur Völkerwanderungszeit ab Ende des 4. Jahrhunderts. Wurden Bastarnen, Skiren und Kimbern, Teutonen, Abronen damals noch auf ihrer Suche nach neuen Siedlungsgebieten (die Bastarnen und Skiren von ihrer alten Haimat, den Masuren aus startend, zum schwarzen Meer ziehend, dann wieder getrennte Wege gehend und die später, ca. 120 v. Chr., folgenden Kimbern, Teutonen und Ambronen, ebenfalls auf der Suche nach neuen Siedlungsgebieten von ihrer Urheimat Jütland aus startend, über Gallien, bis zu den Pyrenäen nach Norditalien ziehend, wo sie letztendlich, nachdem sie sich getrennt hatten, 102 und 101 v. Chr. vernichtet wurden) zur damaligen Zeit in Rom dabei noch als Kelten angesehen, änderte sich das bald. Das Aufeinandertreffen war der Anfang einer langen Reihe von Konfrontationen zwischen den germanischen Stämmen und Stammesverbänden und dem römischen Imperium über zahlreiche Jahrhunderte hinweg. Zur Völkerwanderungszeit findet man die Skiren übrigens in der pannonischen Tiefebene (im heutigen Ungarn) und die Bastarnen in Thrakien (im heutigen Bulgarien) wieder. Gab es auch noch bei der ersten überlieferten Nutzung der Bezeichnung "Germane" in der Literatur durch den griechischen Philosophen Poseidonios von Apamaia ( * 135 v. Chr. - † 51 v. Chr.) ca. 80 v. Ch. in einem seiner verfassten Bücher, nur ein paar dürftige Zeilen über die "Hauptmahlzeit" und "Trinkgewohnheiten" der "Germanen" und war die Zuordnung noch recht vage, wurde Julius Caesar ( * 100 v. Chr. - † 44 v. Chr.) kurz darauf schon deutlicher und ausführlicher. In seinem Buch "Der gallische Krieg" 51 v. Chr. ließ er Gallien (römische Bezeichnung der Kelten) am Rhein enden und alles Land östlich davon bezeichnete er als Germanien (obwohl beiderseits des Rhein sowohl Gallier als auch Germanen lebten). Es wird heute davon ausgegangen , dass "Germane" keine Selbstbezeichnung, sondern eine Fremdbennung der Gallier (Kelten) für ihre östlichen Nachbarn gewesen ist, die dann von den Römern übernommen wurde. Ab der Zeitenwende prägte der Kontakt mit den Römern die germanische Welt, wie auch die Entwicklung des Römischen Reiches sich zunehmend mit der germanischen Welt verband.

transSiedlungsgebiet der wichtigsten germanischen Stämme im 1. und 2. Jahrh.trans

Ob nun die u.a. im Oder- mün- dungs- gebiet bis zeitweise hin zur Weichsel lebenden german- ischen Rugier, wie gern behauptet und verbreitet wird, Namensgeber und auch Besiedler der Insel Rügen waren, ist nicht sicher zu be- aber auch nicht zu widerlegen. Nichts desto trotz war die Insel von Germanen besiedelt und diese wohnten damals in relativ kleinen Siedlungen, in sogenannten Haufen- / Sippendörfern, mit ca. 150 bis 300 Menschen. Diese Dörfer waren nicht planmäßig angelegt, sondern durch stetigem Bau neuer Häuser aus sich heraus gewachsen. Diese Häuser, Langhäuser von 15 - 20 Meter Länge, beherbergten die jeweilige Familie (Germanen pflegten die Einehe), die waffen- und rechtsfähigen, grundzins- oder gutsabhängige halbfreien Knechte und die unfreien Rechtlosen (Kriegsgefangene und Sklaven). Durch eine Wand vom Wohnraum getrennt gab es dann noch den Stallbereich. In der Mitte des Hauses befand sich die Feuerstelle mit einem offenen Rauchabzug im Dach.

transähnliches der von den Germanen verwendetes Langhaus (nachgebautes Wikinger Langhaus in der Trelleborg bei Slagelse / Seeland / Dänemark) trans

transgermanisches Haufendorftrans

__Die germanische Gesellschafft war eine patriarchalische Gesellschaft (Männerherrschaft), in der zu bestimmten Zeitpunkten zur Fällung wichtiger Entscheidungen, wie etwa der Wahl eines Königs, Heerführers oder Gaufürsten, der Thing (Volks- und Gerichtsversammlung der Freien) einberufen wurde. Die Germanen waren sesshafte, Gerste, Weizen, Roggen, Hafer anbauende und mit Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen und Geflügel Viehzucht treibende, wehrhafte Bauern. Einige von ihnen besaßen dazu noch handwerkliche Fähigkeiten und verstanden sich aufs schmieden, töpfern, tischlern und die Verarbeitung von Leder und Textilien. Geld war den Germanen von den Römern bekannt, aber nicht gebräuchlich, es herschte Naturalwirtschaft.

Zur Zeit der Völkerwanderung, ausgelöst durch einen Klimawechsel, Bevölkerungszunahme und den Hunneneinfall in Europa ab Ende des 4. Jahrh., verließ dann die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung der vor allen ostgermanischen Stämme und Stammesverbände ihr Siedlungsgebiet und zog nach Süden. Die Rugier verschlug es in das nördliche, mittlere Donaugebiet. Sie wurden dort erst einmal sesshaft, aber Mitte des 5 Jahrh. von den Hunnen unter Attila ( * ? - † 453) besiegt. Sie waren bis zu dess Tod seine Vasallen. Danach gründeten die Rugier 453, als Föderaten zum Grenzschutz Westroms, im heutigen Niederöstereich ihr neues Reich "Rugiland". Sie unterstützten den in weströmischen Diensten stehenden Odoaker ( * 433 - † 493), vom ostgermanischen Stamm der Skiren, 476 aktiv beim Sturz des letzten weströmischen Kaisers. Aber vom damaligen oströmischen Kaiser zur Konfrontation gegen Odoaker, den nunmehrigen König von Italien, angestiftet, ging das "Rugiland" nach zwei Kriegen unter.

transTheoderich der Große als Dietrich von Bern in der Nibelungensage / er bringt Kriemhild und König Etzel vor der Metzelei der Burgunden in Sicherheittrans

Die Überlebenden der Rugier schlossen sich nun den Ostgoten unter Theoderich dem Großen (* 456 - † 526) - (Dietrich von Bern (heute Verona) in der deutschen Heldensage) an und vernichteteten gemeinsam Ende des 5. Jahrh. das Reich Odoakers. 552 ging der Stamm der Rugier in den Wirren der damaligen Zeit und im Krieg gegen Ostrom (der oströmischen Kaiser betrachtete sich nominell weiterhin als Herrscher des Gesamtreiches und damit auch Italiens) mit den Ostgoten unter.

Angaben ohne Gewähr

Die Daten und Informationen stammen von Recherchen aus zahlreichen verschiedenen Quellen, u.a. Geschichtsbüchern der letzten 60 Jahre, Wikipedia und Museumsbesuchen.

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Im Andenken an den Autor dieser Seite, meinen am 30. März 2012 verstorbenen Bruder,  Heiko Amling.